Gehörgangsentzündung — wenn die Egli und Trüschen länger warten müssen
So, endlich! In knapp 40 Metern Tiefe warten die Egli und Trüschen darauf, dass der Frühling kommt und sie wieder in höhere, wärmere Gefilde aufsteigen dürfen. Eigentlich perfekte Bedingungen für einen Tauchgang.
Doch dann beginnt es zu ziehen, zu brennen und zu stechen. Jede Bewegung der Ohrmuschel schmerzt. An Tauchen ist plötzlich nicht mehr zu denken. Die Diagnose ist unter Tauchenden bestens bekannt: Gehörgangsentzündung, medizinisch Otitis externa.
Wenn Wasser zum Problem wird
Kaum eine andere Ohrenerkrankung beschäftigt Tauchende so häufig wie die Otitis externa. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Taucherinnen und Taucher mindestens einmal im Leben davon betroffen ist. Besonders gefährdet sind Vieltauchende, etwa auf Tauchsafaris oder während intensiver Tauchferien.
Der äussere Gehörgang verbindet die Ohrmuschel mit dem Trommelfell. Durch den wiederholten Kontakt mit Wasser wird die Haut aufgeweicht, der natürliche Säureschutzfilm gestört und Mikroorganismen finden ideale Bedingungen vor. Die häufigsten Erreger sind die Bakterien Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus, seltener Pilze.
Typische Symptome
Eine Gehörgangsentzündung macht sich oft deutlich bemerkbar:
- Ziehender oder stechender Schmerz im Bereich der Ohrmuschel
- Schmerzen beim Berühren oder Ziehen an der Ohrmuschel
- Druckgefühl oder Hörminderung
- Feuchtigkeitsgefühl oder Juckreiz im Gehörgang
- Gelegentlich Ausfluss aus dem Ohr
Besonders typisch ist der Schmerz beim Druck auf den sogenannten Tragus – die kleine Knorpelvorwölbung vor dem Gehörgang.
Was hilft?
Die wichtigste Massnahme ist eine Tauchpause. Solange der Gehörgang entzündet ist, gehört das Tauchen nicht ins Programm.
Zusätzlich können helfen:
- Ärztlich verordnete Ohrentropfen
- Gehörgang trocken halten
- Auf Wattestäbchen, Finger oder andere Manipulationen verzichten
- Reizungen und zusätzliche Feuchtigkeit vermeiden
Was sagt die Forschung?
Eine Untersuchung an 162 Militärtauchenden zeigte interessante Ergebnisse:
- Häufigkeit und Dauer der Tauchgänge waren die wichtigsten Risikofaktoren.
- Wassertemperatur, Jahreszeit oder Wasserqualität spielten überraschenderweise keine entscheidende Rolle.
- Vorsorgliche Ohrenkontrollen verhinderten Ausfälle nicht zuverlässig.
- Nur wenige Betroffene mussten Tauchgänge oder ganze Lehrgänge abbrechen.
Vorbeugen statt pausieren
Wer viel taucht, kann das Risiko reduzieren:
- Nach jedem Tauchgang die Ohren mit sauberem Wasser spülen
- Gehörgänge sorgfältig trocknen
- Bei langen Tauchferien gelegentlich einen Halb- oder Ruhetag einlegen
- Bei häufiger Anfälligkeit vorbeugende Tauchertropfen mit einer tauchmedizinischen Fachperson besprechen
Was gehört ins Tauchgepäck?
Viele erfahrene Taucherinnen und Taucher haben ein Fläschchen Ohrentropfen immer dabei. Gerade auf Reisen oder Tauchsafaris, wo die nächste Apotheke weit entfernt sein kann, gehört es fast zur Standardausrüstung. Mindestens ebenso wichtig sind Taschentücher und etwas Geduld beim Trocknen der Ohren – Wattestäbchen hingegen bleiben besser zuhause.
Denn eines ist sicher: Mit gesunden Ohren macht das Wiedersehen mit Egli und Trüschen deutlich mehr Freude.

