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Ein Kugelfisch im Berner Tierpark sorgt für Schlagzeilen
Ein Kugelfisch im Berner Tierpark sorgt für Schlagzeilen

Ein Kugelfisch im Berner Tierpark
sorgt für Schlagzeilen

15.01.2026 Tierpark Bern

Wie die meisten Zoos besass auch der Tierpark Dählhölzli in Bern seit seiner Eröffnung 1937 eine Abteilung für Fische und Meerestiere. Der Aquarienraum, aufgrund seiner gewölbten Decke «Tonne» genannt, beherbergte rund 30 Becken mit einheimischen und exotischen Arten. Darunter befand sich auch das damals grösste Aquarium der Schweiz mit 18’000 Litern Wasser.

Während auf der einen Seite Fische aus Schweizer Seen und Flüssen zu sehen waren, präsentierte die andere Seite Tiere aus dem Mittelmeer und aus Afrika. Ab 1955 lebte hier auch ein Goldringel-Kugelfisch – ein Tier, das bald zu lokaler Berühmtheit werden sollte.

Vom Kongo nach Bern

Der Kugelfisch stammte aus dem zentralafrikanischen Kongobecken. Ob er im Fluss Kongo oder im Tanganjikasee gefangen wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist hingegen: Es handelte sich um einen Wildfang. Die Zucht dieser Art gelingt bis heute nur selten.

Über mehrere Stationen gelangte das Tier nach Europa und schliesslich nach Bern. Tiertransporte waren damals mit erheblichen Risiken verbunden. Blieben die Fische unterwegs zu lange ohne ausreichende Versorgung, überlebten sie die Reise oft nicht. Im Fall des Kugelfisches verlief der Transport jedoch glimpflich. Anfang November 1955 traf er wohlbehalten im Tierpark ein.

Susv fsss kugelfisch vom kongo nach bern Vom Kongo nach Bern

Ein «Komiker wider Willen»

Schon nach wenigen Jahren wurde der Kugelfisch zu einer bekannten Figur im Tierpark. Die damalige Direktorin Monika Meyer-Holzapfel beschrieb ihn als «Komiker wider Willen». Seine beweglichen Augen, die ungewöhnliche Art der Fortbewegung und sein Verhalten im Wasser faszinierten die Besucherinnen und Besucher.

Kugelfische bewegen sich mit rasch schlagenden Brustflossen fort, während die Schwanzflosse hauptsächlich zur Steuerung dient. Sie können sogar rückwärts schwimmen. Bei Gefahr blähen sie ihren Körper auf, indem sie Wasser aufnehmen. Dadurch vergrössern sie ihr Volumen und stellen ihre Stacheln auf – ein effektiver Schutzmechanismus, der zugleich namensgebend ist.

Anspruchsvolle Haltung

Heute weiss man, dass der Goldringel-Kugelfisch hohe Ansprüche an seine Haltung stellt. Er wächst schnell, benötigt viel Platz und frisst bevorzugt hartschalige Nahrung. Zudem enthält sein Körper das Nervengift Tetrodotoxin, weshalb er weder für die Küche noch für eine breite Haltung geeignet ist.

In den 1950er-Jahren war vieles davon noch wenig erforscht. Die Pflege beruhte stark auf Erfahrung, während technische Hilfsmittel und genaue Wasseranalysen noch kaum zur Verfügung standen. Probleme mit der Wasserqualität oder der Technik waren keine Seltenheit.

Der ungewöhnliche Tierarztbesuch: der Kugelfisch beim Zahnarzt

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Tieres folgte in seinem siebten Lebensjahr. Kugelfische besitzen Zahnleisten, die kontinuierlich nachwachsen. Da im Tierpark nicht immer geeignete Nahrung verfügbar war, nutzten sich die Zähne zu wenig ab und wurden zunehmend länger. Schliesslich konnte der Fisch sein Maul kaum noch öffnen.

1962 entschied man sich zu einem Eingriff. Der Tierarzt kürzte die Zähne, doch trotz zunächst erfolgreicher Operation stellte der Fisch danach die Nahrungsaufnahme ein. Nach mehreren Monaten verendete er.

Susv fsss kugelfisch im tierpark bern beim zahnarzt Der ungewöhnliche Tierarztbesuch: der Kugelfisch beim Zahnarzt

Posthumer Ruhm

Auch nach seinem Tod blieb der Kugelfisch in Erinnerung. In ihren Büchern griff Meyer-Holzapfel seine Geschichte wieder auf und machte ihn damit einer breiten Leserschaft bekannt. Zwischen heiteren Beobachtungen und tragischen Momenten wurde das Tier zu einer Figur, die vielen Menschen in Erinnerung blieb.

Seine Geschichte steht exemplarisch für eine Zeit, in der die Aquaristik noch stark von Erfahrung geprägt war – und zeigt zugleich, wie sehr sich Wissen und Tierhaltung seither weiterentwickelt haben.

 

Text. Roger Sidler, Bern 
Bilder:zvg

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