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Eintauchen in die Geschichte der «Gummianzüge»

Eintauchen in die Geschichte der «Gummianzüge»

18.03.2026

Im Werk «Bellifortis» (deutsch: «Der Kampfstarke») des 1366 in Eichstätt geborenen Büchsenmeisters Konrad Kyeser findet sich eine frühe Idee für einen Tauchanzug. Das Handbuch zur Militärtechnik erschien erstmals im Jahr 1402. Von der ursprünglichen Fassung des weit verbreiteten und bis ins 16. Jahrhundert kopierten Werks, das teils gekürzt, teils um weitere Texte ergänzt wurde, sind heute 45 Handschriften überliefert.

In einer Ausgabe von 1459 – Kyeser war zu diesem Zeitpunkt bereits lange tot – taucht ein lederner Schwimmanzug mit Schnorchel auf. Ob dieser abenteuerliche Ganzkörperanzug tatsächlich zum Einsatz kam, ist nicht bekannt.

Als sich der spätere Firmengründer von Camaro, Erich Roiser, 1964 in den USA erstmals in einen Neoprenanzug zwängte, stand die Funktionalität seines Anzugs hingegen ausser Frage. Längst hatten künstliche Materialien die Oberhand gewonnen.

Neoprenanzug geschichte Eintauchen in die Geschichte der «Gummianzüge»

Neopren besteht aus gummiartigem Chloropren-Kautschuk, dessen industrielle Herstellung in den frühen 1930er-Jahren gelang. Das synthetische Material ist mechanisch beständig und wirkt wärmeisolierend. Der junge Roiser benutzte seinen ersten Neoprenanzug zum Wasserskifahren. Die wärmeisolierenden Eigenschaften von Neopren brachten ihn auf eine Idee: Mithilfe solcher neuartigen Anzüge liesse sich die Wassersportsaison an den kalten Seen seiner Heimat verlängern. Diese Einsicht freute zunächst den begeisterten Sportler Roiser, erwies sich gleichzeitig aber als zukunftsträchtige Geschäftsidee. Denn in Europa führte der steigende Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg dazu, dass die Menschen immer mehr Geld für Ferien und Freizeit zur Verfügung hatten. Immer breitere Bevölkerungsschichten wurden Jahr für Jahr von Abenteuerlust und Fernweh erfasst – wovon auch der Wassersport profitierte.

1969 gründete Roiser gemeinsam mit seiner Frau und Freunden die Firma Camaro. Der erste Katalog umfasste fünf Modelle für Wasserski und Tauchen. Die Nachfrage nach den «Gummianzügen» aus Österreich wuchs rasch und kontinuierlich, da sich das Unternehmen früh international positionierte und seine Produkte nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Westeuropa und in den USA präsentierte. Trendsportarten katapultierten in den 1980er-Jahren das Geschäft mit Nassanzügen in neue Sphären: «Everybody’s gone surfin’» sangen die Beach Boys aus Kalifornien schon lange – nun galt dies endlich auch für Europa. Und wo ein Surfbrett auf einem VW-Bus befestigt war, war der Neoprenanzug nicht weit.

1990 lancierte Camaro seinen Semi Dry Classic-Tauchanzug, der sich zu einem Verkaufsschlager entwickelte. Das enorme Echo auf die Produkte spiegelte die wachsende Popularität des Tauchsports weltweit wider. Aus einer Nischenszene entwickelte sich der Sport zunehmend in Richtung breite Gesellschaft – im Einklang mit globalen Trends in Freizeit und Sport. Diese Entwicklung zeigte sich auch in den ersten Webauftritten der Firma um die Jahrtausendwende. Tauchzubehör wurde, auch dank des Tourismus, weltweit nachgefragt, und die Ansprüche stiegen mit jeder Innovation der Branche.

Mit der Kombination der Materialien Trilaminat und Neopren leitete die Firma 2002 technisch eine neue Ära der Trockenanzüge ein. Diese Anzüge verbanden Wärme und Komfort mit grosser Bewegungsfreiheit. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Funktionalität und Design führte zu immer neuen Modellen und Innovationen. Heute sorgen Hightech-Materialien für ein sicheres und angenehmes Tauchvergnügen. 1459 hingegen brauchte es noch eine gehörige Portion Tollkühnheit, um in ein ledernes Rüsselgewand zu steigen. Nichtsdestotrotz beflügelte das Tauchen schon damals die Fantasie der Menschen.

Text: Roger Sidler