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Warum dieses Buch? Claudia Weber-Gebert nimmt uns mit unter die Oberfläche der Eifel
Warum dieses Buch? Claudia Weber-Gebert nimmt uns mit unter die Oberfläche der Eifel

Warum dieses Buch?
Und überhaupt, was gibt es in der Vulkan-Eifel Unterwasser zu sehen?

03.06.2026

Vorwort

Die meisten Menschen kennen Unterwasser-Fotos eher aus den Meeren, mit bunten schillernden Korallen-Riffen und Fischen oder großen Walen. Oder aus den klaren Alpenseen.  

Aber auch die Vulkan-Eifel, die ich seit meiner Kindheit her kenne, hat einiges Unterwasser zu bieten. Und bei meinen Recherchen habe ich erfahren, dass sich bisher noch niemand diesem Thema gewidmet hat. Es liegt vielleicht daran, dass Tauchen seit den 1970er Jahren verboten wurde. Bis dahin war die Technik für die Unterwasserfotografie noch nicht so ausgereift wie heute und im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es wesentlich einfacher geworden. Doch anscheinend ist die Eifel für Unterwasserfotografen komplett in Vergessenheit geraten.
Bekannt für Schwimmer sind die Eifel-Maare mit ihrem meist klaren und kalten Wasser. Zudem ist die Vulkan-Eifel aber auch für Wanderer interessant, die diese Umgebung schätzen. Die Vulkaneifel ist durchzogen mit kleineren Flüsschen, wie die Lieser oder die Kyll, und mit etlichen Bächen, die ebenfalls wunderbare Motive Unterwasser bieten.

In den Sommermonaten von 2015 bis 2019 habe ich mich also immer wieder an die Gewässer der Vulkan-Eifel begeben, um die Unterwasserwelt in Bildern einzufangen. Tauchen verboten – selbst für das Buchprojekt strengste Vorgaben seitens der Behörden. Alle Fotos für das Buch sind also ohne technisches Tauchgerät entstanden, teilweise sogar nur die Kamera an einer Verlängerung ins Wasser gehalten, damit Uferbereiche nicht beschädigt werden. Auch wenn einige der Maare zwar im Sommer mit Badegäste gefüllt sind, so ist das Schwimmen nicht unbedingt erlaubt. Und nicht überall funktionierte der Trick mit der Kamera an der Stange. Deshalb gibt es leider nicht von allen Maarseen Unterwasser-Aufnahmen.

Im Bereich der meisten Maare sind Straßen und Zufahrten mit Parkplätzen angelegt, hingegen bei manchen Bächen oder Wasserfällen nicht. Darum war für mich das Fotografieren in den Maaren am einfachsten. Das Equipment war relativ einfach zu transportieren und wenn es getragen werden musste, dann war der Weg nicht so weit.  

Anders so bei den Bächen der Vulkaneifel - erfrischend und klar – ideal für die Unterwasserfotografie, aber oft ohne Anbindung an öffentliche Straßen oder Wege.
Wobei das arbeiten in den Bächen und Flüssen anders aussieht, als in den Maaren oder im Meer. Durch die geringen Wassertiefen ist Tauchen nicht möglich, sondern ich musste eher stehend oder liegend im Wasserlauf arbeiten – Hauptsache die Kamera ist wenigstens zur Hälfte Unterwasser und gibt den Blick unter die Wasseroberfläche frei. Über rutschige, von Algen bedeckte Steine klettern - für mich immer wieder eine Herausforderung, die allerdings auch viel Freude und wunderbare Tierbegegnungen mit sich gebracht hat. Die größte Herausforderung war meistens die Logistik, da nicht alle schönen Stellen an den Wasserläufen mit dem Auto angefahren werden können. Das bedeutet, dass das Equipment getragen werden musste – oft Kilometer weit. Und da ich meistens alleine unterwegs war, bedeutete dies für mich: ich musste alles selbst tragen! Deshalb gibt es von den schwer zu erreichenden  Stellen keine „making of“ Videos. Nur das wirklich Notwendigste für die Aufnahmen Unterwasser wurde eingepackt und transportiert.
Es gab viele Ideen und Pläne für Fotos, leider spielen die Tiere und das Wetter nicht immer so mit. Andererseits sind auch Fotos entstanden, mit denen ich niemals gerechnet hatte. Situationen, in denen sekundenschnell reagiert werden musste um ein Foto zu machen. Andere Fotos, die viel Geduld im kalten Wasser erforderten, bis dann doch das gewünschte Ergebnis vorlag.

Daraus ist ein Werk entstanden, das auch denjenigen, die selbst nicht unter die Wasseroberflächen schauen können, einen Einblick in eine geheimnisvolle Welt zu geben.

Was haben Hawaii und Eifel gemeinsam?

Beide Regionen liegen über einem sogenannten "Mantel-Plume" oder "Hot Spot" – einem aufsteigenden heißen säulenartigen Gesteinsstrom, der eine Temperaturerhöhung von ca. 150 °C mit sich führt. Dadurch hat das Plumematerial eine geringere Dichte als das umliegende Gesteinsmaterial und steigt mit einer Geschwindigkeit von 10 – 100 cm² pro Jahr empor. Beim Auftreffen auf feste Lithosphärenplatten, also Kontinentalplatten in ca. 100 km Tiefe können Schmelzen entstehen, die durchaus auch bis zur Erdoberfläche durchstoßen.

Die Eifel-Maare – der Tanz auf dem Vulkan

Aus der Luft betrachtet sehen sie wie blaue Perlen aus – die Maare, mitten zwischen Feldern und Waldgebieten der Eifel-Landschaft.

Mit Maar bezeichnet man einen trichterförmigen runden See vulkanischen Ursprungs – das Wort selbst leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Wort "mare", also Meer ab – es gibt keinen Zufluss und keinen Ablauf.

Claudia Weber Gebert 27047 Die Eifel-Maare – der Tanz auf dem Vulkan

Die Entstehung

Bei vulkanischer Tätigkeit muss jeder automatisch an große Vulkankegel mit hoch in die Luft schießender Magma und glühenden Lavaströmen denken. Doch ein solches Szenario hat sich in der Eifel nicht abgespielt.

Jeder kennt aber auch die Bilder von Heißwasser-Geysiren, bei denen durch vulkanische Erwärmung heißes Wasser aus einem Loch in meterhohen Fontänen nach oben katapultiert wird. Ähnlich kann man sich den Vorgang vorstellen, der zur Entstehung der Maare in der Eifel geführt hat. Allerdings waren hier die Wassermassen von Gesteins- und Erdschichten bedeckt.

Immer wieder treten Erdverschiebungen auf, an denen sich Schwachstellen bilden. Dort aufsteigende Lava traf auf diese Wassermassen, das Wasser erhitzte sich sehr schnell bis zum verdampfen. Unter den Erdmassen konnte aber der Dampf nicht entweichen, so wie  es bei den Geysiren der Fall ist. Der entstehende Druck entlud sich irgendwann mit einem Schlag explosionsartig und schleuderte die oben drüber liegenden Massen nach oben weg. Fachleute sprechen hier von einer „phreatomagmatischen Explosion“, die nicht weniger spektakulär ist, wie ein Vulkanausbruch. So entstanden kreisrunde Explosionstrichter mit einem ringförmigen Erdwall, wie nach einer Bombenexplosion. Dies ist heute noch besonders gut am Pulvermaar bei Gillenfeld erkennbar.

Die unter dem Trichter liegenden Magmakammern sind in sich zusammen gefallen und im laufe der Zeit sammelte sich Grundwasser und Regenwasser in den Trichtern, die nach ihrer Entstehung bis 1 km im Durchmesser und bis zu 150 m tief sein konnten. Damit war ein sogenannter Calderasee entstanden. Mittlerweile haben viele Sedimentschichten die Größe und Tiefe reduziert, etliche Maare sind sogar ganz ausgetrocknet, man spricht hier von Trockenmaaren.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Der Laacher See, der ebenfalls ein Calderasee ist, hebt sich in Alter und Größe von den Eifel-Maaren ab. Während die Trichter der Eifel-Maare durch die oben beschriebenen Wasserdampfexplosionen vor ca. 40.000 – 10.000 Jahren entstanden sind, liegt die Entstehungsgeschichte des Laacher Sees schon länger zurück. In einem Vulkanfeld, dass schon seit über 570.000 Jahre aktiv ist, hatten sich bis vor 125.000 – 100.000 Jahren etliche Schlackenkegel mit Lavaströmen gebildet, heute sichtbar als Berge rings um den Laacher See. Dann folgten vor ca. 90.000 Jahren mehrere Wasserdampfexplosionen, wodurch eine größere Caldera entstanden ist. Die jüngste Explosion war vor ca. 13.000 Jahren mit verheerenden Folgen für die Umgebung. Asche, Bims und Tuff wurden bis in eine Höhe von 40 km geschleudert (Plinianische Eruption). Mit einer Temperatur von ca. 600 °C hinterließen Glutlavinen und Ascheströme innerhalb nur weniger Tage eine kahle Landschaft mit einer 50 m dicken Asche- und Lavaschicht. Insgesamt wurden ca. 16 km³ Bimstuff an die Erdoberfläche befördert.

Zum Vergleich: der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island im April 2010, der wochenlang den Flugverkehr in Europa beeinträchtigte, hinterließ eine „nur“ mehrere zentimeterdicke Ascheschicht in der Region.

Heute werden rund um den Laacher See Tuff, Bims, Lava und Basalt in großem Stil abgebaut – ja sogar ganze Berge abgetragen.

Zur besseren Verdeutlichung hat man am Wingertsberg in der Nähe von Mendig eine

8 -10m hohe Wand in einem Bruch stehen gelassen. Hier sieht man deutlich die verschiedenen Schichten. Anhand von Tafeln können Besucher hier die Entstehungsgeschichte nachverfolgen.

Außerdem steigen am Laacher See immer noch ständig Gase aus der Magma-Kammer unter dem See auf. Dies kann man in Ufernähe an den sogenannten "Mofetten" beobachten. Kohlenstoffdioxid (CO²)  blubbert unaufhörlich aus dem Boden, es sieht aus, als ob das Wasser kocht!

Wissenschaftler halten dies für die Anzeichen eines nahen Ausbruchs – wobei "nah" relativ ist, da hier meistens über Zeitspannen von 1000 Jahren die Rede ist. Dennoch könnte es in der Eifel jederzeit zu erneuten Ausbrüchen kommen.

Claudia Weber Gebert 7181 Ausnahmen bestätigen die Regel

Die Besonderheit der Maare

Mit 74 m Tiefe ist das Gillenfelder Pulvermaar, abgesehen von den Alpenseen, der tiefste See Deutschlands. Das Verhältnis von Wasseroberfläche und Wasser-Volumen ist sehr klein, das heißt: kleine Oberfläche - große Tiefe. Das ist bei Seen eher ungewöhnlich. Durch diese Besonderheit kommen auch nur wenige Nährstoffe ins Wasser, keine Zu- und Abläufe begünstigen ebenfalls diese Wasserqualität. Auch findet in den Maaren keine Frühjahrs- und Herbst-Vollzirkulation statt, bei denen sich Oberflächenwasser und Tiefenwasser durchmischen, so, wie es normalerweise in Seen regelmäßig vor kommt. Dafür sind die meisten Maare zu tief. Genau deshalb findet man hier ganz deutliche Sprungschichten mit extremen Temperatur-Unterschieden und Temperaturen von nur 4°C am Grund.

Umweltbelastungen hätten in den Maaren schwerwiegende Folgen. Ein kompletter Wasseraustausch dauert am Tegernsee zum Beispiel 1,25 Jahre – beim Pulvermaar dauert es ca. 70 Jahre. Während aber beim Tegernsee Schadstoffe ausgeschwemmt werden können ist bei einem Maar fraglich, ob Schadstoffe nach einem kompletten Wasseraustausch nach 70 Jahren wirklich beseitigt wären, oder sich doch nur am Grund abgesetzt hätten.

Der Wasserstand der Maare hat im Laufe der Jahrhunderte erheblich geschwankt –  das Meerfelder Maar z.B ist 1877 – 1880 regelrecht trocken gelegt worden, um Wiesen und Weideflächen zu gewinnen. Die Folge war eine Überdüngung und Veralgung Anfang des 20 Jahrhunderts. Erst 1982 konnte der See saniert werden. Trotzdem droht eine Verlandung.

 Auch die Nutzung der Maare für Trinkwasser hatte großen Einfluss auf den Wasserspiegel. In den letzten Jahrzehnten ist der Wasserstand jedoch relativ konstant, nachdem alternative Trinkwasserversorgungen gefunden werden konnten und die Entnahme kontrolliert erfolgt.

Für Wissenschaftler sind die Sedimentschichten in den Maaren von großer Bedeutung, da hier alle Informationen der vergangenen Jahrtausende konserviert wurden. So fand man in Bohrkernen mit Sedimentschichten des Meerfelder Maars und dem norwegischen Gletschersee Krakenes zum Beispiel isländischer Vulkanasche. Diese stammt vom Ausbruch des Katla auf Island vor 12.140 Jahren. Anhand dieser Bohrungen konnte man den Vulkanausbruch auf Island eindeutig zeitlich zuordnen.

Kaltwassergeysire in der Eifel

Weitere Besonderheiten der Eifel sind die Kaltwassergeysire in Andernach und der "Brubbel" in Wallenborn – beide hervorgerufen durch aufsteigendes CO².

Kohlenstoffdioxid steigt aus der Tiefe nach oben und trifft auf Grundwasserbassins. Das Wasser reichert sich mit dem Gas an bis zur Sättigung. Wie bei einer Sprudelflasche, die man schüttelt, entsteht dann dieser Überdruck-Effekt, der das Wasser je nach Grundwasserspiegel in einer Wasserfontäne von 4 – 6 m hoch auf sprudeln lässt.

Außer diesen Besonderheiten gibt es in der Eifelregion etliche natürliche gefasste Sprudelwasser-Quellen.

Aber auch dies bedeutet, dass immer noch ständige Aktivitäten unter der Erdoberfläche der Eifel stattfinden.

Claudia Weber Gebert 53968 Kaltwassergeysire in der Eifel

Tauchen leider nicht erlaubt

In der Eifel gibt es 10 Maar-Seen, neben etlichen Trocken-Maaren und Hochmooren, insgesamt sind es 75 Maare. Das Wasser der Maar-Seen ist nährstoffarm und meistens sehr klar. Man hat berichtet, dass man im Weinfelder Maar selbst auf einer Tiefe von 40 Metern ohne Lampe den Tauchcomputer ablesen konnte, so hell sei es dort noch gewesen.

Bis in die 70er Jahre war tauchen noch erlaubt. Da es jedoch zu mehreren tödlichen Unfällen kam, ist tauchen grundsätzlich verboten worden. Steilabfallende Ufer, Tiefen bis 70 m und die Kälte der Gewässer sind sehr schwer einzuschätzen. Man sprach auch früher von „gefährlichen Abwärtsströmungen“ auf der Seemitte. Allerdings sind nach den Unfällen auch immer wieder die haarsträubendsten Gerüchte entstanden. Zudem waren die Tauchgeräte der 70er Jahre noch nicht so ausgereift wie heute. Die Folge war jedoch, dass der Tauchsport generell verboten wurde und das Weinfelder Maar, oder auch Toten-Maar genannt, komplett auch für den Badebetrieb gesperrt wurde. Der Name „Totenmaar“ kommt jedoch nicht von den vielen tödlichen Unfällen, sondern stammt von einer Kapelle gleich neben dem Maar. Zwar ist die Tauchtechnik mittlerweile erheblich verbessert worden, vereiste Lungenautomaten sind heutzutage weniger ein Problem, trotzdem wird es wohl auch in Zukunft keine Tauchgenehmigungen geben.

In einem Schreiben vom "Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht" an das "Ministerium für Umwelt und Forsten" äußert man sich diesbezüglich unmissverständlich.
"... Weder die Anträge auf Zulassung aus rein sportlichem Interesse, noch die Anträge mit gemeinnützigem Hintergrund (Bergungs- und Rettungstaucherübungen von Polizei, Feuerwehr und anerkannten Hilfsorganisationen wie DLRG und DRK) und auch nicht jene aus wissenschaftlichen Gründen waren aus fachlicher Sicht zustimmungsfähig ..."

Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, 6-6.08.07/Oehms/Kau vom 29.08.05

Fast alle Maare sind, zumindest in Teilbereichen, zum Baden freigegeben und sind Naturschutzgebieten angegliedert. Und wo baden erlaubt ist, kann man selbstverständlich auch schnorcheln und Freitauchen. Interessantes gibt es ohnehin nur im Uferbereich und bis zu 5m Tiefe zu sehen. Doch gerade da lohnt es sich, die Tauchermaske aufzusetzen und den Kopf unter Wasser zu stecken. Man wird mit Fischreichtum im klaren Wasser belohnt. Und genau in diesem Bereich sind auch die Bilder dieses Buches entstanden.

Naherholungsgebiet Maare

Aktivitäten wie Baden, Tretboot fahren, Angeln oder Segeln sind in den meisten Maar-Seen erlaubt. Motorboote gibt es nur für Notfälle.

Um die Maare sind Wanderwege und Routen angelegt, es gibt Campingplätze und Freibäder. Große Parkplätze sind angelegt, die im Sommer zwar gebührenpflichtig sind, aber nicht viel kosten.

In regelmäßigen Abständen finden Aktivitäten statt, hier ist der "Natur- und Geopark Vulkaneifel" zuständig (http://www.geopark-vulkaneifel.de).

Seit Anfang 2016 darf sich der Natur- und Geopark Vulkaneifel jetzt "Unesco Global Geopark" nennen und gewinnt damit an internationaler Bedeutung. Mit diesem Titel kann die Eifel natürlich auch für den Tourismus punkten.

An manchen Stellen sind in und um die Maare Schutzzonen eingerichtet, die weder von Land noch von der Wasserfläche aus betreten werden dürfen. Brütende Wasservögel sollen nicht gestört werden.

Natürlich erfreut sich gerade bei großer Hitze jeder Badegast am kühlen Nass, jedoch ist deutlich zu beobachten, dass einige Tiere, wie zum Beispiel der scheue Haubentaucher, durch vorbeifahrende Tretboote erheblich gestört werden.

Claudia Weber Gebert 6788 Naherholungsgebiet Maare

Flora und Fauna um die Maare

Da die meisten Maare von Naturschutzgebieten umgeben sind, finden sich hier auch Pflanzen und Tiere, die in der bewirtschafteten Kulturlandschaft überwiegend schon verschwunden sind. So sind dort zum Beispiel noch die heimischen Orchideen-Arten zu finden oder seltene Insekten, Reptilien, Amphibien und Vögel. Bäume, die vom Sturm umfallen, dürfen auch einfach liegen bleiben und ihren natürlichen Verrottungs-Prozess durchlaufen und damit einen wertvollen Beitrag für die Natur leisten.

In Ufernähe finden sich die üblichen Flachwasserpflanzen wie Seerosen, Binsen, Simse, Rohrkolben oder Schilf.

Die Artenvielfalt ist jedoch erheblich größer als in den umliegenden Ackerlandschaften.

Außerdem sind die Maar-Seen wichtige Anflugplätze für Zugvögel im Frühling und im Herbst. Die Bedeutung der Biotope ist also nicht zu unterschätzen.

Hier ist besonders der Jungfernweiher in der Nähe des Ulmener Maars zu nennen, ein wieder geflutetes Trockenmaar, das als Naturschutzgebiet besonders als Zugvogel-Paradies bekannt ist.

Claudia Weber Gebert 6450 Flora und Fauna um die Maare

Flora und Fauna im Wasser

"Leider gibt es in den Maaren weder ein Nessi-Ungeheuer, noch irgend welche anderen spektakulären oder seltenen Wassertiere", so Dr. Andreas Schüller, Diplomgeograph des Geopark Vulkaneifel. "Es sind nur die ca. 400 Fischarten vorhanden, die man von anderen Gewässern in Deutschland auch kennt."  Allerdings sind alle Fischarten entweder eingesetzt oder durch Vögel importiert worden. Andere Bewohner, wie z.B. Schildkröten sind sicherlich dort ausgesetzt worden oder entlaufen. Dr. Andreas Schüller: "Das Wasser der Maare ist oligotroph (es bilden sich wenige Nähstoffe in stehenden Gewässern), das bedingt eine Einschränkung." Nicht alle Arten kommen mit dem nährstoffarmen Wasser zurecht.

In den Maaren ist ein großer Fischbestand vorhanden. Die Karpfen, die dort anzutreffen sind, sind zu einer erstaunlichen Größe herangewachsen. Außerdem finden sich in den Gewässern Barsche, Hechte, Rotaugen, Rotfedern, Aale und Schleien. Dass für die Fische die Maar-Welt anscheinend noch in Ordnung ist, lässt sich an der großen Schwärmen an Jungfischen erkennen, die im Sommer wie ein Band unter der Wasseroberfläche entlang schwimmen und sich bei Bedarf in den schützenden Ästen der umgefallenen Bäume verstecken. Auch erstaunlich viele Junghechte können beobachtet werden.

Die Flüsse und Bäche der Vulkaneifel

Meist ist das Wasser der Flüsse und Bäche sehr klar. Das Wasser sprudelt aus Quellen, und das Wasser wurde durch die Erdschichten gefiltert. Romantisch schlängelt sich das Wasser durch schmale Täler und enge Schluchten zwischen den Hügeln und Bergen der Vulkaneifel hindurch. Etliche Wanderrouten führen entlang der Bäche – hier kann man die Seele baumeln lassen. In früheren Zeiten wurde die Wasserkraft der Flüsse und Bäche zum Antrieb für Mühlen genutzt, heute befinden sich in den Gebäuden meist Ausflugslokale.

Die Landschaft der Vulkaneifel ist im Devon-Zeitalter entstanden. Dadurch bedingt fließen alle   Flüsse und Bäche der Vulkaneifel in südliche Richtung ab und münden irgendwann in die Mosel.

Und dadurch gibt es auch Besonderheiten: der Alfbach fließt zum Beispiel entlang des längsten Basalt-Lavastroms der Vulkan-Eifel und im Üßbach sieht man sechseckige Basalt-Blöcke Meter hoch auf ragen.

Drastisch ändert sich die Situation dieser Gewässer bei Starkregen. Dann steigt der Wasserstand innerhalb kürzester Zeit dramatisch an, da die Wassermassen an den steilen Hängen der Landschaft schnell abwärts fließt und sich in den engen Tälern sammelt. Dann wird das Wasser zu einer trüben reißenden Flut.

Sind diese Wassermassen abgeflossen, stellt sich der normale Zustand aber auch schnell wieder her. Die Läufe der Flüsse und Bäche sind überwiegend steinig, wodurch nicht so viele Schwebstoffe das Wasser trüben.

Dass das Wasser eine gute Qualität hat, erkennt man an den Elritzen, kleinen Schwarmfischen, die in den Bächen vorkommen. Und auch an den Forellen, die in Kyll und Lieser geangelt werden.

Claudia Weber Gebert 57146 Die Flüsse und Bäche der Vulkaneifel

Lieser

Die Lieser entspringt in der Eifel in der Nähe von Bexbach, dem höchsten Teil des Eifel-Gebirges und schlängelt sich von dort in vielen Windungen in einem engen Tal durch die Vulkan-Eifel, durch Daun, vorbei an Manderscheid und den Burgen, durch wenig besiedeltes Wald-Gebiet in Richtung Wittlich, durch die Wittlicher Senke und mündet nach 73 km im Ort Lieser in die Mosel, wobei sie dann 452 Höhenmeter hinter sich gelassen hat.

Gespeist wird die Lieser durch über 30 kleine Bäche, die von den umliegenden Anhöhen hinunter ins enge Tal fließen.

Die Gegend um die Lieser ist bekannt als Ziel für Wanderer und Radfahrer, der Lieser-Pfad ist hierfür ideal ausgebaut mit kleine Brücken über das Wasser. Auch im Sommer bei großer Hitze ist es im Liesertal angenehm kühl und das Wasser erfrischend. Gerade in diesem Bereich ist die Lieser noch ursprünglich erhalten und wenig kanalisiert, weshalb viele Tiere sich hier im klaren Wasser und um das Flüsschen herum wohl fühlen.

Kleine Kyll

Die kleine Kyll ist eines der Nebenflüsschen den Lieser. Ihre Quelle befindet sich zwischen Neroth und Steinborn – Neunkirchen im Nerother Wald. Sie schlängelt sich fast 24 km parallel zur Lieser in einem tiefen Tal durch die Vulkan-Eifel, hat 14 kleine Zuflüsse. Einer davon ist der Meerbach, der aus dem Meerfelder Maar in die Kleine Kyll fließt. Die kleine Kyll hat einen kleinen Wasserfall in der Wolfsschlucht beim Horngraben, südlich von Manderscheid. Ein schönes Ziel für Spaziergänge oder Wanderungen durch die unberührte Natur.

Auch hier sind Wanderwege und Brücken angelegt entlang des Flüsschens, ein ideales Erholungsgebiet, das aus einigen größeren Städten jedoch schnell erreichbar ist.

Kurz nachdem sich die Kleine Kyll mit dem Horngraben und dem Fischbach vereinigt, endet die Kleine Kyll in der Lieser.

Kyll

Der längste Fluss in Rheinland-Pfalz ist ein sehr schnell fließendes Gewässer, das seinen Ursprung in mehreren Quellen im wallonischen Losheimer Graben hat und nach 127 km in der Nähe von Trier in die Mosel mündet. Schon bei den Römern um 371 n.Chr. Wurde der Fluss erwähnt.

Im Landkreis Vulkaneifel geht die Bahn-Strecke entlang der Kyll, wo mit Brücken mehrfach die Fluss-Seite gewechselt wird. Auch die Straßenführung passt sich dem Kyll-Tal an in der Vulkaneifel an. Im Vorbeifahren kann man zwischen Gerolstein und Kyllburg häufig Fliegenfischer sehen, die nach Forellen angeln. Das klare kalte Wasser bietet ideale Bedingungen. Durch die schnelle Fließgeschwindigkeit ist das Wasser mit viel Sauerstoff angereichert. Die Flusslandschaft ist trotzdem sehr abwechslungsreich, teilweise eng und reißend, teilweise breiter und etwas langsamer. Etliche Ortschaften liegen an der Kyll – sehr idyllisch und einladend anzusehen. Dazu gehören Städtchen wie Stadtkyll, Hillesheim, Gerolstein, Birresborn, Mürlenbach, Kyllburg oder Speicher.

Die Kyll dient im unteren Lauf als Wasserversorgung für den Landkreis Trier-Saarburg.

Claudia Weber Gebert 6118 Kyll

Dreimühlen-Wasserfall bei Nohn

1912 wurden drei kleine Karst-Quellen beim Bau einer Bahnstrecke zusammen gefasst zum Mühlenbach. An der Stelle, wo das Wasser eine Höhenunterschied passieren musste, entsteht seither der ständig wachsende Dreimühlen-Wasserfall. Das stark kalkhaltige eiskalte und klare Wasser lagert immer mehr Sintermaterial auf den mit Moos bewachsenen Felsen ab, wodurch der Wasserfall heute ca. 12 m breit und 6m hoch. Am Wasserfall mündet der Mühlenbach in den Ahbach.

Dieser Wasserfall ist eigentlich ein „muss“ für jeden Besucher der Eifel und so ist an sonnigen Wochenenden der Ort überfüllt. Wer dort in Ruhe ausharren möchte, der sollte unter der Woche und morgens früh vor Ort sein – dann hat man den Wasserfall mit viel Glück ganz für sich alleine und kann den Ort genießen.

In kalten Wintern ist der komplette Fels mit Eiszapfen überdeckt – ebenfalls ein wunderschöner Anblick.

Alfbach – Strohner Schweiz

In der Strohner Schweiz bei Strohn sind noch die Überreste der vulkanischen Aktivitäten zu sehen. Der Alfbach der nördlich aus Mehren kommt, fließt hier über den längsten Lavastrom der Eifel. Wild und romantisch zeigt sich hier die Landschaft, die man über Wanderwege bewundern kann. Hier hat der Alfbach sich im Laufe der Jahrtausende im Basaltgestein wieder in sein ursprüngliches Bachbett durch gegraben. Steil abfallende Klippen säumen den Bachlauf.

Der Alfbach, der bei Alf in die Mosel mündet, zieht bei seinem Lauf einen großen Bogen um die Berge von Bad Bertich. Wie bei allen Eifel-Flüsschen hat auch der Alfbach etliche Zuflüsse, die rechts und links im steilen Tal nach unten fließen.

Üßbach

In der Nähe von Mosbruch auf dem Hochkelberg entspringt der Üßbach, der sich knapp 50 km durch die Eifel schlängelt, um sich in der Nähe von Alf mit dem Alfbach zu verbinden und gemeinsam in die Mosel zu münden. Zwischen Quelle und Mündung liegt ein Höhenunterschied von 392m und es fließen 13 Bäche ein. Bei der Stotzbücher Mühle sprudelt der Strotzbücher Drees aus dem Boden. Das Wasser fließt sofort in den Üßbach.

Während der Üßbach sich bei der Strotzbücher Mühle noch gemütlich durch die Wiesen schlängelt, so hat er bei Bad Bertrich schon an Geschwindigkeit aufgenommen. Hier, kurz nach der Einmündung des Elbesbaches, ist das Wasserbett begrenzt durch senkrecht aufragende sechseckige Basalt Blöcke und Gestein.

Claudia Weber Gebert 6012 Üßbach

Klidinger Wasserfall – Bad Bertricher Dreierlay

Mit seinen ca. 10 Metern Höhe ist der obere Teil des  Klidinger Wasserfall beeindruckend. Aus der unweit gelegenen Ortschaft Klidingen kommt der Bach aus nur ca. 3 km geflossen, um über die Höhen der 3 Wasserfälle hinunter zur Ebene des Erdenbaches zu fallen. Im Bereich der Wasserfälle ist der Bach sehr steil und unzugänglich. Der höchste Wasserfall ist über einen steilen Pfad mit Stufen und Seilen erreichbar und ein wunderschöner Anblick!  Im glasklaren Wasser unterhalb des Wasserfalls sind die Larven von Feuersalamandern zu finden – ein gutes Anzeichen für eine saubere Wasserqualität.

Erdenbach

Der Erdenbach entspringt in der Gemeinde  Givenich, unweit des Fliegerhorst Büchel. Von dort aus nimmt das kristallklare Wasser seinen Lauf in Richtung Bad Bertrich, um dort in den Üßbach zu münden. Auch hier fließen seitlich viele kleine Bäche beidseitig in den Erdenbach ein. Da nur wenig Sonne in das steile Tal gelangt, ist das Wasser sehr kalt und klar. Erstaunlich viele Köcherfliegen Larven sind dort zu finden, die sich an der der Strömung zu gewandten Seite in Kolonien an die Steine heften.

Elbesbach - Elfengrotte

Der kleine Wasserfall des Elbesbaches in der Nähe der Einmündung in den Üßbach liegt in unmittelbarer Nähe der Bad Bertricher Elfengrotte oder Käsegrotte. Daher hat der Wasserfall den Namen Elfen- Wasserfall. Wobei dies leider nichts mit der Anwesenheit von Elfen zu tun hat, sondern sich von der Zahl elf ableitet, da es sich an diesem Standort um die elfte Mühle am Üßbach handelt. Kühl und erfrischend ist es in der Nähe dieses schönen Wasserfalls, an dem Wanderwege vorbei führen. Die Grotte ist eine natürliche Aushöhlung und einen Ausflug wert. Der Elbesbach kommt aus der Gemeinde Hontheim und ist ca. 4, 5 km lang.

Claudia Weber Gebert 19758912 Elbesbach - Elfengrotte

Ich sage DANKE

Vor allem an Herrn Dr. Schüller vom Geopark Vulkaneifel für seine fachliche Unterstützung bei den Recherchen und für das zur Verfügung gestellte Material.

Ein ganz besonderes Dankeschön geht an den Bürgermeister und das Freibad von Schalkenmehren, die mir kostenlosen Zutritt und ein Tretboot für die Aufnahmen Unterwasser zur Verfügung gestellt haben.

Claudia Weber-Gebert

Claudia Weber Gebert 6378 Danke

Maare, Quellen, Wasserfälle: die faszinierende Unterwasserwelt der Vulkaneifel

Buch von Claudia Weber-Gebert

Eifelbildverlag
ISBN 978-3-946328-76-6
 

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